15. Mediations-Kongress der Centrale für Mediation
am 23./24. März 2012 in München

Zugang zur Mediation

Nach Begrüßungsworten und der Eröffnung durch den Veranstaltungsleiter, Herrn Prof. Dr. Horst Eidenmüller, erläuterte die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Entstehung des Entwurfs für das Mediationsgesetz, die Position ihres Hauses dazu und die besondere Bedeutung, die das Justizministerium der Mediation als Ergänzung und Entlastung der traditionellen Rechtssprechung beimisst. Prof. Dr. Gerhard Wagner von der Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn stellte das Mediationsgesetz im Überblick vor, erläuterte die Aspekte, die absichtlich nicht im Entwurf geregelt werden, wie Verjährung, Vollstreckbarkeit, Sanktionen oder Zwangsverweisung in die Mediation und kam zu dem abschließenden Urteil, das mit dieser staatlichen Anerkennung der Mediation "ein guter Schritt in die richtige Richtung" getan sei.
Die Justizministerin kommentierte dazu in der anschließenden Diskussion, dass es das vorrangige Ziel des Ministeriums gewesen sei, wenig Bürokratie und viel Spielraum für die Weiterentwicklung der Mediation in der Gesellschaft zu lassen. Die weitere Diskussion auf dem Podium kreiste um den Vergleich zwischen den bestehenden Formen gerichtsinterner Mediation und dem im Gesetzentwurf formulierten Güterichter-Modell. Konträre Standpunkte gab es hier insbesondere zu der Frage, inwieweit die im Güterichter-Modell mögliche juristische Bewertung des Streitfalls durch den Güterichter methodisch zu beurteilen sei. Weiter diskutierte das Podium die verschiedenen möglichen Anreize für Mediation, wobei insbesondere finanziellen Anreize bis hin zu einer Mediations-Kostenhilfe von mehreren Referenten befürwortet oder als prüfenswert bezeichnet wurden.
Im anschließenden Vortrag stellte Prof. Dr. Dieter Frey, Lehrstuhlinhaber für Sozialpsychologie an der LMU München, unter der Überschrift "Die Kunst des Überzeugens" in sehr gedrängter Form 12 Konzepte aus der psychologischen Forschung vor, die vielfältige Ansätze und Anregungen für die Praxis der Mediation bieten. Herr Andy Goldstein
vom Entrepreneurship Center der LMU München referierte zum Thema Marketing für Mediation und hob vor allem auf die Bedeutung der inneren Überzeugung des Mediators ab, der "hinter dem eigenen Wort stehen" müsse, um aktiv und selbstbewusst von seiner hochwertigen Dienstleistung sprechen zu können.
Gastreferent Prof. Robert Trivers vom Department of Anthropology, Rutgers University in New Brunswick, New Jersey gab einen lebendigen und inspirierenden Überblick zu seinen Forschungen zu dem Thema „Täuschen und sich selbst täuschen". Er stellte vielfältige Forschungsergebnisse zum Nutzen, den Risiken oder Nachteilen von Täuschung in der Tierwelt und bei Menschen, den Zusammenhang zu Intelligenz, Immunsystem und kulturellen Unterschieden dar. Interessenten empfahl er zur Vertiefung sein Buch: The Folly of Fools: The Logic of Deceit and Self-Deception in Human Life.

Am Ende des ersten Tages erfolgte die feierliche Preisverleihung. Die Mediations-Preise der Centrale für Mediation werden seit 2000 regelmäßig ausgelobt.
Der Förderpreis 2011 wurde erneut zweimal vergeben:
(1) Für die Bachelorarbeit „Höhen, Tiefen, Wendepunkte – die Panoramatechnik in der Konfliktbearbeitung“ der Co-Autoren Melbey und Neumann. Die Arbeit wurde an der Universität Hamburg, im Fachbereich Psychologie betreut. Sie stellt die sog. Panoramatechnik nach Hilarion Petzold für den Bereich der Konfliktberatung vor. Es handelt sich um eine Visualisierungsmethode, die aus der Therapie stammt und ursprünglich bei Sterbebegleitung und Suchttherapie eingesetzt wurde. In der nächsten Ausgabe der ZKM wird ein Artikel dazu erscheinen.
(2) Weiter wurde die Masterarbeit „International mediation-prospects and limits on the example of the Kosovo“ von Christopher Prinz M.A. mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Der Verfasser analysiert die erfolglose Kosovar Troika-Vermittlung von 2007 und vergleicht sie mit dem 'erfolgreichen' Vertrag des Vermittlungsprozesses von Westfalen von 1648. Die Arbeit basiert auf zahlreichen Interviews, die der Verfasser mit Persönlichkeiten, die in die Vermittlung involviert waren, geführt hat, u.a. Wolfgang Ischinger, der Kosovo-Unterhändler der EU, Dr. Frank-Walter Steinmeier, seinerzeit deutscher Außenminister, Dr. Gernot Erler, früherer Staatsminister im Auswärtigen Amt, Dr. Theo Sommer, ehem. Herausgeber von Die Zeit.
Der Wissenschafts-Preis 2011 wurde für die am MPI München betreute Dissertation „Mediation in der Sozialgerichtsbarkeit“ verliehen. Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie die sozialgerichtsinterne Mediation in den Gerichtsalltag implementiert werden kann.
Sokrates-Preis 2011 ging an den Round Table Mediation und Konfliktmanagement in der Deutschen Wirtschaft (kurz: RTMKM). Damit wurde mit dem Sokrates-Preis für Mediation erstmals nicht eine Person, sondern eine Institution ausgezeichnet. Der RTMKM ist ein Arbeitskreis von Unternehmensvertretern der deutschen Wirtschaft, die sich in einem kooperativen Rahmen insbesondere zum Thema Mediation austauschen. Er wurde im Jahr 2008 auf Initiative der SAP AG und der E.ON Kernkraft GmbH ins Leben gerufen. Dem Kreis gehören mittlerweile Repräsentanten von 50 namhaften Unternehmen an, u.a. Deutsche Bank, AUDI, Bayer, Deutsche Telekom, Bombardier Transportation, Deutsche Bahn, Porsche, ERGO, EnBW AG, Fraunhofer Gesellschaft und Siemens. Die Auszeichnung des Sokrates-Preises erhält der Round Table für seinen innovativen Ansatz im Engagement um die Implementierung von Mediation als wichtigem Baustein eines modernen Konfliktmanagementsystems. Entgegengenommen wurde der Preis von den Initiatoren Jürgen Briem, SAP, und Dr. Jürgen Klowait, E.ON.

Der zweite Tag begann mit dem Vortrag von Dr. Martin Engel, LMU München „Mediation und ihre Kosten“, in dem er die Kostenproblematik aus der Sicht aller beteiligten Gruppen darstellte.
Der Jurist und Psychologe Prof. Jeffrey Rachinski von der Cornell University Law School in Ithaka, New York berichtete über seine Forschungen zu systematischen Fehlurteilen bei Richtern und Anwälten.
Anschließend konnten die Kongress-Teilnehmer zwischen 9 verschiedenen Workshops wählen. Der Verfasser entschied sich für den Workshop „Mediation mit Vertretern: Verhandeln trotz Gremienvorbehalt“. Die Praxisbeispiele der Workshop-Teilnehmer kamen aus fast allen Bereichen der Mediation und wurden gemeinsam auf die wiederkehrenden Probleme bei Verhandlungen durch Vertreter und vorbeugende Maßnahmen in der Kommunikation zwischen Vertreter und Vertretenen hin diskutiert. Ein Rollenspiel zu einem Tarifstreit vertiefte das Thema anschaulich.
Anstatt eines angekündigten Vortrags fand am Ende eine Prodiumsdiskussion zum Thema Qualitätsicherung in der Mediation und Zertifizierung nach dem neuen Mediationsgesetz, bzw. einer möglichen Rechtsverordnung statt. Auf dem Podium, bestehend aus Dr. Gisela Mähler, Dr. Ralf Deutlmoser und Prof. Dr. Reinhard Greger unter der Leitung von Prof. Dr. Horst Eidenmüller, bestand Einigkeit darüber, dass mit dem Wirksamwerden der möglichen Rechtsverordnung nicht vor Ende 2013 gerechnet werden kann. Der Gesetzentwurf lässt allerdings auch die Notwendigkeit der Rechtsverordnung offen und es wurde auch die Möglichkeit gesehen, dass zunächst eine fünfjährige Versuchsphase ohne eine Rechtsverordnung durchgeführt wird. Wenn jedoch Anforderungen für den zertifizierten Mediator und die Akkreditierung von Ausbildungsinstituten durch eine Rechtsverordnung definiert werden sollten, so sei laut Prof. Greger deren Ausgestaltung noch völlig offen. Aussagen von Ausbildungsinstituten zum jetzigen Zeitpunkt, sie würden solche Anforderungen erfüllen, seien in der übereinstimmenden Meinung des Podiums unseriös und wettbewerbswidrig.
Im letzten Kommentar aus dem Publikum fasste Dr. Hans-Georg Mähler die Geschichte der Mediation und Mediationsausbildung in einem kurzen Überblick zusammen und hält hier auch heute noch eine fruchtbare Lern- und Experimentierphase für nötig, da der Gesetzentwurf die nötigen Freiheiten lässt und dennoch positive Impulse gibt. Dies ergänzte Prof. Eidenmüller in seinem Schlusswort mit dem Hinweis auf die wertvolle Symbolkraft eines Mediationsgesetzes in der öffentlichen Wahrnehmung, die zu deutlich mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die Mediation führen kann.

Verfasser: Dipl.-Psych. Rolf Berker, rolf.berker@moderatio.com

 

 

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